Unterwegs durch Kuba

08.11.2018 Pinar del Rio – Soroa 95,1 km und 410 Hm

Schon um 6 Uhr bekamen wir ein reichhaltiges Frühstück und konnten so schon kurz vor Sonnenaufgang Pinar del Rio verlassen.

Auf der fast leeren Autobahn kamen wir flott vorwärts, da es flach dahin ging. Erst nach 50 km kam die erste Raststätte und kurz darauf kam uns ein Radlerpaar aus Köln entgegen, dem wir schon auf unserer ersten Etappe begegnet waren.

Wir tauschten die Casa Empfehlungen aus und unterhielten uns noch eine Weile auf dem Mittelstreifen der Autobahn, bevor wir unsere Fahrt fortsetzten. An einem kleinen Ort verließen wir auf einem Feldweg die Autobahn und konnten dort 4,5 Liter Limonaden und Wasser für umgerechnet ca. 0,70 € erwerben.


Auf der Autobahn ist für alle Platz


Hab mein Wagen voll geladen…

Dann ging es wieder zurück zur Autopista von der wir kurze Zeit später bei Candelaria abbogen. Ab hier ging es mit einigen deftigen Steigungen weiter nach Soroa, wo wir das empfohlene Casa Dona Dunia erreichten. Es liegt wunderschön zwischen den Bergen und der dazugehörige Garten ist voller Orchideen und exotischer Pflanzen.


Unsere Unterkunft (Dona Dunia) in Soroa


09.11.2018 Soroa – Las Terrazas – Artemisa 48 km und 463 Hm

Kurz vor 8 Uhr verließen wir unsere paradiesische Casa und nahmen gleich viele steile und schweißtreibende Rampen in Angriff. Durch traumhafte Berglandschaft schraubte sich unsere Straße nach Las Terrazas.

Das Biosphärenreservat, zwischen Seen und Berghängen gelegen, ergibt ein idyllisches Bild. Im See schwammen Flamingos und auf einer kleinen Steininsel spielte ein Berberaffe.


Las Terrazas


Ein frisch geschlachtetes Schwein wird von seinen Borsten befreit

Danach entfernten wir uns von der Bergregion und weiter ging es Richtung Südküste. In Artemisa fanden wir auf Nachfragen eine nette Casa und beendeten schon um 13 Uhr die heutige Tour. Später unternahmen wir noch einen Spaziergang ins Zentrum von Artemisa (83000 Ew.) und fanden noch einige schöne Ecken.
Die Suche nach Wasser gestaltet sich oft sehr schwierig. Es ist wesentlich einfacher, Rum oder Bier zu bekommen.


10.11.2018 Artemisa – San Nicolas 113,9 km und234 Hm

Der heutige Tag verlief wieder einmal ganz anders als geplant. Nach einem reichhaltigen Frühstück wurden wir von Gretel, unserer Gastgeberin, verabschiedet und dann starteten wir wieder kurz vor Sonnenaufgang. Wir hatten vor, Havanna südlich auf Nebenstraßen zu umfahren. Bei Nacht muss es heftig geregnet haben, denn in allen Orten, die wir anfangs durchfuhren, waren riesige Wasserlachen zu durchfahren. Tiefe unbekannt.

Der Zustand der vielfach nicht geteerten Straßen wurde immer schlechter und wir blieben fast im Roten Matsch stecken. Wir quälten uns richtig ab und waren bald richtig eingesaut. Die Räder drehten sich kaum noch und immer wieder mussten wir mit Stecken den lehmartigen Boden zwischen Reifen und Schutzblech entfernen.

Die Orte, die wir durchfuhren, waren nicht sehr einladend und vielfach gab es nicht mal was zu trinken.

Hier arbeiten die Einheimischen in Kombinaten, in denen Viehzucht, Obst- und Gemüseanbau betrieben wird. Die Menschen wohnen in kleinen Häuschen oder Hütten, oft nicht größer als eine Garage. Der Monatsverdienst im Arbeiter- und Bauerstaat liegt bei ca. 30 € im Monat + Lebensmittelkarten. Wir gaben die geplante Route auf und nahmen lieber eine längere Route in Kauf, um eine bessere Straße befahren zu können. Nach 30 km ordentlicher Fahrbahn folgten die restlichen 30 km auf katastrophalen Wegen. Löcher, Rillen, grober Schotter und ab und an gebrochene Betonstücke bildeten das Finale bis San Nicolas. Hier hatte unser Routenplaner 3 Casas im Angebot, die aber nur für Kubaner zugänglich sind. Nach langem Herumfragen zeigte uns ein Einheimischer eine einfache Casa, die uns für 10 CUC aufnahm. Endlich konnten wir duschen und unsere Taschen und Räder von dem roten Dreck befreien. Zwischenzeitlich war es 18 Uhr und dunkel, als wir uns zum Essen aufmachten. Leider mussten wir feststellen, dass es im ganzen Ort mit 20000 Ew. nichts zu essen gab. Die meisten Kubaner können es sich nicht leisten, zum Essen zu gehen. So mussten wir uns mit unserer letzten Notration (Studentenfutter) zufrieden geben.


11.11.2018 San Nicolas – Jagüey Grande 87,1 km und 24 Hm

Nur schwer fanden wir in dieser Nacht in den Schlaf, da die Klimaanlage extrem laut war. Schaltete man diese aus, so konnte man vor Hitze nicht schlafen. Außerdem tropfte ein Wasserhahn in einen Eimer. Irgendwann war dieser voll und das Wasser breitete sich im ganzen Zimmer aus. Seit dem Frühstück am Vortag und unserem Studentenfutter als Abendessen hatten wir nur noch Getränke zu uns genommen. So nahmen wir um 6:30 Uhr, ohne Frühstück, die nächste Etappe in Angriff. Bis zur nahen Autobahn A1 hatten wir nur 8 km zurück zu legen.


Auffahrt zur Autobahn bei Sonnenaufgang

Zu unserer Freude fanden wir nach 19 km eine Autobahnraststätte, bei der wir Kaffee und ein Sandwich zu uns nehmen konnten. Dann ging es auf der 6-spurigen Autobahn mit Seitenstreifen weiter.

Armselige Behausung neben der Straße

Flott kamen wir vorwärts und freuten uns über jede schattenspendende Wolke. Nach 78 km auf der Autobahn bogen wir nach Jagüey Grande (88000 Ew.) ab. Am Ortseingang empfing uns ein Fahrradtaxi und bot uns an, uns zu einer Casa zu bringen. Hier war alles ganz prima und so blieb noch genügend Zeit, die Wäsche zu waschen und einiges in Ordnung zu bringen.


Der blaue Anker weist auf eine Casa hin

Noch eine Anmerkung zu den Casa Particulares. Privatleute vermieten in ihrem Haus meist ein oder zwei, selten auch mehr Zimmer. Sie benötigen dazu eine staatliche Berechtigung, um an Ausländer vermieten zu dürfen. Der Standard ist gut mit WC, Dusche mit warmem Wasser. Der Preis schwankt zwischen 20,-- CUC und 30,-- CUC. Auch gutes Essen wird hier angeboten. Der Preis für ein komplettes Frühstück beträgt ca. 5,-- CUC und das Abendessen ca. 10,-- CUC pro Person. Die Vermieter zahlen hohe Abgaben an den Staat, dem das kostbare Devisen bringt. Die Casas sind i. d. R. günstiger als Hotels und man findet schnell Kontakt zu den Kubanern. Von Vorteil ist es, wenn man spanisch spricht aber mit etwas Englisch und mit Händen und Füßen kommt man fast immer weiter. Während ein „einfacher Kubaner“ an die 30 CUC im Monat verdient erhält ein Casa Anbieter etwa die Hälfte der Übernachtungskosten, dazu evtl. Frühstück und Abendessen, das er alleine einsteckt. Dieser gewaltige Unterschied lässt die Schere zwischen Arm und Reich in einem kommunistischen Land“ leider immer größer werden.