Usbekistan, Tadschikistan und Kirgistan

 

Die Visa für Usbekistan und Tadschikistan sowie die Sondergenehmigung für  Gorno-Badachschan bzw. die Pamirregion haben wir.

Es wird sich zeigen, ob die geplante Reise so durchgeführt werden kann. Es bleiben genug Unwägbarkeiten offen (Wetter, Gesundheit, Straßenverhältnisse, Höhe sowie politische Verhältnisse), die es unter Umständen nötig machen, unsere Reisepläne zu ändern.


29. und 30.04.2013   Turbulenter Auftakt

Von Frankfurt aus starteten wir mit Air Baltic  zunächst nach Riga, das nach 2 Stunden erreicht war.  Von dort ging es dann weiter nach Taschkent, wo  wir nach weiteren 5 Flugstunden um 2:00 Uhr nachts  ankamen.  Bis dahin lief alles noch ganz planmäßig. Wir füllten brav unsere Zollerklärungen aus, nahmen unser Gepäck in Empfang, warteten aber vergeblich auf unsere Fahrräder. Es dauerte sehr lange bis wir jemanden fanden, der uns weiter helfen konnte. Zunächst  aber ging es zur Zollabfertigung. Dort erzählten wir von unserem Missgeschick. Der Zollbeamte erteilte uns die nötigen Stempel und vergaß dabei völlig, unser  Gepäck zu überprüfen. So war diese Hürde ganz rasch genommen. Dann suchten wir die Stelle auf, die sich um verloren gegangenes Gepäck zu kümmern hat. Ein freundlicher Beamter bemühte sich sehr aber es war eine langfristige Prozedur, bis alle bürokratischen Hindernisse überwunden waren. Wir bekamen eine Bescheinigung der Verlustanzeige sowie seine Telefonnummer, unter der wir ihn erreichen könnten, um etwas über unsere Räder zu erfahren. Er selbst wollte uns im Hotel benachrichtigen, wenn es Neuigkeiten gäbe. So fuhren wir also morgens um 4:15 Uhr statt mit den Rädern mit dem Taxi zum Hotel, das wir schon von zu Hause aus gebucht hatten.  Während der Taxi fahrt wechselte uns der Fahrer gleich noch 200,-- € in 540.000,-- Som (540 Schein a`1.000,-- Som). Der 1.000,-- Som Schein ist der größte Geldschein der Usbekischen Währung und hat einen Gegenwert von ca. 0,37 €. Nun wisst ihr, warum unsere Taschen so voll sind.   Bei der Ankunft im Hotel wusste man schon von unserem Missgeschick und sagte uns, dass wir am 30.04. um 24:00 wieder am Flughafen erscheinen sollten, um unsere Räder zu holen.
Wir legten uns dann noch 2 Stunden aufs Ohr, bevor wir uns aufmachten, um Taschkent zu erkunden.  
Taschkent, die Hauptstadt Usbekistans hat 2,2 Mio. Einwohner. Was uns auffiel waren die vielen gepflegten Grünanlagen in Centrum.  Wir tauchten ein in den größten Basar der Stadt und besichtigten die Juma-Moschee sowie die Ko`kaldosh-Medrese. Mit der U-Bahn ging es dann zurück ins Zentrum und zu Fuß zurück zum Hotel. Von dort aus telefonierten wir nochmals mit dem Flughafen wegen der Abholzeit für unsere Fahrräder und vereinbarten 9:00 Uhr am 1.5.13.
Das Wetter ist für uns im Moment sehr angenehm mit kühlen Temperaturen in der Früh und am Abend und angenehmen 25°C  tagsüber.


01.05.2013

Nach einer erholsamen Nacht ging es nach dem Frühstück mit dem Taxi zum Flughafen wo wir glücklich unsere Räder in Empfang nahmen. Leider stellte sich sehr schnell heraus , dass sie ziemlich verschrammt waren (die gesamte, mühsam angebrachte Verpackung fehlte) . Ansonsten war Friedas Rad in einem guten Zustand aber mein Rad ließ sich nicht einmal mehr schieben. Die Kette war total verklemmt und ein Schalten war unmöglich. Ein freundlicher Taxifahrer kam uns zu Hilfe, schaffte es aber auch nicht, die Schaltung wieder sauber in Gang zu bringen. So ließen wir uns von einem  Kleintransporter  zu einem Fahrradhändler fahren, der das Problem einigermaßen in Griff bekam. Den Rest konnte ich selbst noch beheben und nun läuft  alles wieder rund.
Was uns besonders ärgerte ist der Verlust unserer Benzinflasche samt Pumpe, so dass wir nicht selbst kochen können. Ob wir irgendwo Ersatz finden wird sich zeigen.
Morgen geht es nun mit der Radtour los und wir hoffen, dass es dann wie in den vergangenen Jahren ohne große Pannen weiter geht. 


Ausblick vom Hotelzimmer bei unserer Ankunft um 5 Uhr morgens


540.000 Som für 200 Euro


Ko`kaldosh-Medrese


Chorsu-Basar


Chorsu-Basar


Müde vom Einkausstress


Im Regierungsviertel


Timur-Museum


Im Timur-Museum


02. - 05.05.2013   Endlich geht es los 129,5 km und 217 Hm

Kurz nach 8 Uhr starteten wir von unserem Hotel und begaben uns in das Verkehrsgetümmel. Es war nicht leicht, aus Taschkent hinaus zu finden, da auf den ersten 21 Kilometern nicht ein einziges Hinweisschild zu sehen war, das uns den Weg gezeigt hätte. So fragten wir immer wieder nach und nach 1 ½ Std. hatten wir den Stadtrand von Taschkent erreicht und befanden uns auf einer autobahnähnlichen Straße. Über flaches Land ging es vorbei an landwirtschaftlich genutzten Flächen sowie an riesigen Erdbeerplantagen. Am Straßenrand  gab es jede Menge Verkaufsstände, die von Eselskarren beliefert wurden. Auch Raststätten folgten in regelmäßigen Abständen, so dass man keine Angst haben musste, zu verhungern. Gegen 17 Uhr erreichten wir Gulistan, wo mit erst nach gutem Zureden noch ein letztes Zimmer im einzigen Hotel ergattern konnten. Somit war der Tag gerettet.


03.05.2013   124,5 km und 299 Hm

Ohne Frühstück, nur mit einer Tasse Kaffee ging es wieder kurz nach 8 Uhr los. Die Strecke bot keine große Abwechslung und war vielfach recht steppenhaft.  Dagegen bot die Straße jede Menge Abwechslung. Mal war der Straßenbelag durchaus akzeptabel doch dann folgten Passagen über viele  Kilometer, auf denen der Belag aufgebrochen und mit jeder Menge Schlaglöchern versehen  war. Der Wind war auch nicht unser Freund und so kamen wir nur recht mühsam und langsam vorwärts und erreichten gegen 17 Uhr unser Etappenziel Jizzakh. Die Suche nach einem Hotel gestaltete sich außerordentlich schwierig. Im ersten Hotel wurden wir, als der Besitzer  unsere Reisepässe und Visa überprüfte, abgewiesen. Er erklärte  es uns zwar, aber auf Russisch, was wir nicht verstanden. Nach mehreren Versuchen die Leute auf der Straße nach einem Hotel zu fragen sammelte sich zwar immer eine ganze Menschentraube an und alle redeten auf uns ein aber ohne konkrete Angabe zu einem Hotel. Schließlich half uns ein Taxifahrer weiter, dessen Schwester ein Hotel hatte. Er rief dort an und es wurde uns bestätigt, dass ein Zimmer  frei wäre. So fuhr der Taxifahrer voraus und wir hinterher. Als wir im Hotel ankamen wollten sie wieder unsere Reisepässe und gaben uns dann zu verstehen, dass ihr Hotel voll belegt sei. Wir können uns das nur so erklären, dass nicht alle Hotels die Berechtigung  haben, eine Registrierung auszustellen. Diese benötigen wir in Usbekistan spätestens nach 3 Tagen und müssen diese bei Kontrollen und bei der Ausreise nachweisen. Immerhin erhielten wir eine weitere Adresse und dort klappe es auch. Für 60.000 Som  (22,-- €) erhielten wir ein tolles Zimmer incl. Frühstück. So fand auch dieser Tag noch ein glückliches Ende.


04.05.2013   Fahrt nach Samarkand  100,5 km und 683 Hm

Nachdem ein Polizeioffizier ins Hotel kam und einen Stempel auf unsere Registrierung setzte, konnten wir unsere Etappe beginnen. Auf landschaftlich recht abwechslungsreicher und hügeliger Strecke kamen wir ganz gut voran. Die Temperatur in der Mittagszeit stieg auf 32°C an aber ein kräftiger Wind blies uns heute in den Rücken, so dass wir schon um 14 Uhr Samarkand erreichten. Leider  bohrte sich noch ein dünner Draht in mein Hinterrad und wir zogen einen neuen Schlauch ein, bevor wir die letzten 2 Kilometer bis zum Hotel zurück legen konnten. Am Abend verabredeten wir uns mit Jasmin und Chris, einem Radlerpaar aus Deutschland, mit denen  wir schon von zu Hause aus E-Mail Kontakt hatten, zum gemeinsamen Abendessen. Wer Interesse hat kann ihre Reise unter www.radeln-fuer-den-augenblick.de verfolgen. So verbrachten wir einen sehr unterhaltsamen Abend, denn jeder hatte viel über seine Reiseerlebnisse zu berichten.


05.05.2013   Ruhetag in Samarkand

Der heutige Tag diente der Besichtigung von Samarkand. Der Registanplatz mit seinen monumentalen Bauwerken  war unser erstes Ziel. Mehrere Moscheen und Medresen gibt es hier zu bewundern. Später besichtigen wir noch die Gräberstraße mit verschiedenen Mausoleen, bevor es zum Basar ging. Den Abend verbrachten wir wieder gemeinsam mit Jasmin und Chris und feierten Jasmins Geburtstag.


Einkehr unterwegs


Flaches Land und schlechte Straßen


Blühende Wiesen


Hügelige und abwechslungsreiche Strecke nach Samarkand


Die höheren Berge sind noch tief verschneit


Registanplatz


Großartiger Registanplatz


Mausoleen an der Gräberstraße


Marktfrauen in bunten Gewändern


06.05.2013   Samarkand – Ziyadin   143,1 km und 115 Hm

Mit  mehrfachem fragen nach der richtigen Straße fanden wir aus Samarkand hinaus, denn nach wie vor gibt es kaum ein Hinweisschild, das einem den Weg anzeigt. Bei günstigem Wind ging es zügig über  landwirtschaftlich genutztes Land fast immer eben dahin. Das Wetter war traumhaft schön und die Temperatur stieg am Mittag bis auf 32 °C an. Für Abwechslung sorgten  die Straßenverhältnisse, die zwischen recht gut und Slalomfahren zwischen den Schlaglöchern wechselte. Unterwegs trafen wir einen Radler aus Aserbaidschan, der nach Japan unterwegs ist. Nach 143 km fanden wir das erste Hotel, in dem wir auch unter kamen. Von außen sah es sehr gut aus, innen war es jedoch in einem recht desolaten Zustand. Aber  es gab keine Alternative und weiter wollten wir auch nicht mehr radeln. 


O7.05.2013   Fahrt nach Bukhara   142,2 km und 48 Hm

Die ersten 75 km brachten wir auf gutem Straßenbelag zügig hinter uns. Zur Mittagszeit gingen wir Essen und ruhten uns dann in der größten Hitze noch einige Zeit aus. Während der Mittagsstunden stieg das Thermometer bis auf 35°C und es war nahezu windstill. Die weitere Strecke bis Bukhara gestaltete sich sehr mühsam, da wir wieder auf feinster usbekischer Holperpiste unterwegs waren. Gegen 17:30 Uhr erreichten wir Bukhara und nach mehreren Fehlversuchen kamen wir im Hotel Mekhtar Ambar, einer frühere Medrese aus dem 19. Jahrhundert, unter. Am Abend konnten wir uns noch einen ersten Eindruck dieser herrlichen Stadt verschaffen.


08.05.2013   Ruhetag in Bukhara

Taschkent, Samarkand und Bukhara waren einst die bedeutendsten Städte der Seidenstraße. Der unermessliche Reichtum  dieser einstigen Handelsplätze spiegelt sich in prunkvollen Bauten wieder. Wir fühlen uns wie im Märchen von Tausendundeiner Nacht.
Buchara ist reich bestückt mit herausragenden Baudenkmälern und nicht umsonst unterliegt die ganze Altstadt dem UNESCO-Weltkulturerbe. Eine Moschee und Medrese (Koranschule) reiht sich an die nächste und dazwischen gibt es überdachte Basare für Schmuck, Teppiche und Kunsthandwerk. Die meisten Sehenswürdigkeiten stehen auf engem Raum beieinander und sind gut erreichbar. Für uns ist Bukhara der absolute Favorit unter den oben genannten Städten der Seidenstraße.  


Geburtstagsfeier mit Jasmin und Chris


Querverkehr auf der Autobahn


Kontrollstelle


Kamel an der Seidenstraße


Endlose Geraden ohne Schatten


Mittagpause auf dem Tschajchanas


Feister usbekischer Straßenbelag


Innenhof unseres Hotels in Bukhara


Kalon-Moschee


Mira Arab Medrese und Kalon Moschee


Zitadelle Ark


Mira Arab Medrese und Kalon Minarett

09.05.2013   Buchara – Kasan  143,4 km und 315 Hm

Gut fanden wir aus Bukhara hinaus und bald darauf ging es durch die Wüste. Wieder brannte die Sonne von einem wolkenlosen Himmel auf uns nieder aber ein kräftiger Rückenwind sorgte nicht nur für gutes Vorankommen sondern auch für angenehme Kühlung. Nach dem Wüstenabschnitt (Stein-, Sand- und Salzwüste) folgten abwechselnd fruchtbares Land und Steppengebiete. Die Straße war über längere Abschnitte in ganz ordentlichem Zustand und verlief meist kerzengerade. Natürlich durften auch die Abschnitte mit aufgebrochenem Asphalt nicht fehlen. Die Gegend war nur ganz dünn besiedelt und so nutzten wir die wenigen Gelegenheiten am Straßenrand, an denen Getränke angeboten wurden. Heute sahen wir auch des Öfteren Kamele und Dromedare, worüber wir uns sehr freuten. Kurz vor Kasan sahen wir ein großes Festzelt und hielten an. Dahinter war ein ganzes Camp mit vielen Zelten aufgebaut. Wir fragten, ob wir hier übernachten könnten und es wurde uns eines der Zelte mit 6 Betten zugewiesen. Wir konnten uns noch frisch machen und wurden dann zum Essen eingeladen. Es gab Plov und zu fünft löffelten wir von einem großen Teller. Die Küchenmannschaft setzte sich zu uns und wir wurden anlässlich des Nationalfeiertages zu Musik und Tanz am Abend ins Festzelt eingeladen. Wir freuten uns schon sehr darauf. Immer mehr Feldarbeiterinnen wurden von der Arbeit ins Camp zurückgebracht und begrüßten uns freundlich. Doch plötzlich tauchte ein hochrangiger Offizier auf und gab uns unmissverständlich zu verstehen, dass wir das Gelände zu verlassen hätten. Traurig über den Abschied blickten uns alle nach. Da es schon 19:45 Uhr war wurde es schnell dunkel. So fuhren wir schon im Dunkeln nach Kasan hinein um nach einer Unterkunft zu suchen. Dort fuhren uns 3 Jungs mit ihren Rädern voraus und brachten uns zum einzigen Hotel. Nach langem und gutem Zureden und mit dem Hinweis, dass wir keine Registrierung benötigten, bekamen wir schließlich doch noch ein Zimmer.

10.05.2013   Kasan – Qarshi  28 km und 52 Hm

Ohne Frühstück fuhren wir nach Qarshi, einer Provinzhauptstadt mit 227.000 Einwohnern. Hier kamen wir gleich im ersten Hotel unter und nutzten den restlichen Tag zur Besichtigung der Stadt.

11.05.2013   Qarshi – Karashina  103,9 km und 777 Hm

Die ersten 60 km ging es noch recht flach weiter doch nach einer Mittagspause in einer Fernfahrer-Raststätte ging es durch Sandberge. Diese wurden immer steiler und höher und das Vorwärtskommen mit unserem schweren Gepäck wurde deutlich mühsamer. Meter für Meter  schraubten wir uns höher. Landschaftlich jedoch war es wesentlich abwechslungsreicher als an den Tagen zuvor. Der Wind wehte zwar nicht stark aber meist wieder von hinten. In Karashina fanden wir Unterkunft in einem Hotel und mit einem feinen Nudelgericht und einem Bier beendeten wir den Tag. 

12.05.2013   Karashina – Sherabad  113,6 Km und 1022 Hm

Der Morgen begann mit einer unangenehmen Überraschung. Frieda hatte heftigen Durchfall und war richtig geschwächt. Wir überlegten kurz, was wir machen sollten und entschieden uns dann dazu, die nächste Strecke anzugehen. So zogen wir wieder einmal ohne Frühstück los. Im ersten Minimarkt kauften wir  ein paar trockene Kekse und ausreichend Wasser für unsere erste Bergetappe. Schon unmittelbar nach dem Start endete der Straßenbelag und der überwiegende Abschnitt bis  Sayrab war eine Baustelle. Für uns bedeutete dies, dass wir nur sehr langsam vorwärts kamen und die Strecke uns alles abverlangte. Durch grobe, tief aufgeschüttete Steine zog sich die Strecke dahin, unterbrochen durch sandige Abschnitte und nur wenigen Kilometern mit schlechtem Asphalt. Völlig durchgeschüttelt und von den vielen Fahrzeugen eingestaubt schafften wir so in 4 Stunden gerade mal 31 Kilometer  und hatten noch ein ganzes Stück bis zur Passhöhe auf 1581 m. Zum Glück ging es dann einige wenige Kilometer auf ordentlicher Fahrbahn bergab. Kein Gasthaus war zu sehen und auch die Baustelle hatte uns bald wieder  eingeholt. So mühten wir uns bei bedecktem Himmel und angenehmen Temperaturen weiter ab und erreichten nach ca. 60 km Sayrab, wo wir eigentlich übernachten wollten. Da wir trotz aller Umstände am Nachmittag besser vorankamen, beschlossen wir, so lange weiter zu fahren, bis sich eine Übernachtungsgelegenheit  ergibt. Trotz mehrfacher Nachfragen in Restaurants, ob wir dort nächtigen oder unser Zelt aufschlagen dürften, wurde uns dies verwehrt. Es blieb uns also nur die Hoffnung, in Sherabad, einer größeren Stadt etwas zu finden. Auf Nachfragen, ob es dort ein Hotel gäbe, lauteten die Antworten „Ja“ oder „Nein“. In Sherabad angekommen wurden wir aus einem Auto heraus angesprochen. Wie immer wollten sie wissen, woher wir kommen und wohin wir wollten.
Auf unsere Frage nach einem Hotel wurden wir spontan aufgefordert, ihnen hinter dem Auto zu folgen, denn wir könnten bei ihnen schlafen. Wir waren sehr froh, doch noch eine Bleibe gefunden zu haben. Als wir ihr Haus erreichten wurde für uns ein Zimmer hergerichtet, wir konnten uns frisch machen und wurden zusammen mit Kindern und Enkeln zum Essen und Trinken eingeladen. Es entwickelte sich ein richtig netter Abend bei Ludmilla und Schachrad, denen wir dafür ganz herzlich danken.

13.05.2013   Sherabad – Termiz  61,7 km und 42 Hm   

Der Tag begann mit einem guten Frühstück, das uns angeboten wurde. Zu Beginn gab es Grießbrei,  später Brot und Butter und Grünen Tee als Getränk.  Gut gestärkt verabschiedeten wir uns und machten uns auf den Weg nach Termiz.  Dort kamen wir um 11Uhr, nach bislang 1101 zurückgelegten Kilometern an und fanden ein günstiges Hotel, in dem wir für 2 Nächte buchten. 
Termiz mit seinen 140000 Einwohnern ist die südlichste Stadt Usbekistans, liegt nur noch 300 m hoch und ist Hauptstadt der Provinz Surxondaryo. Hier unterhält die Bundeswehr den „Lufttransportstützpunkt Termiz“, von hier werden alle Truppen- und Nachschubtransporte für das deutsche und niederländische ISAF-Kontingent in Afghanistan abgewickelt. Der Fluss Amudaryo bildet die Grenze zu Afghanistan.    



Leckere Manty (usbekische Maultaschen)


Weite Steppenlandschaft


Kamele am Wegesrand


Einladung bei den Camp-Bewohnern


Schulkinder


Fettschwanzschafe


Durchs Sandsteingebirge


Üble Piste


Zaungäste


Käsestände an der Straße


Dunkle Wolken über den Ausläufern des Hissargebirges


Bei Ludmilla und Schuchrad mit Familien


Kurz vor Termiz. Hinter dem Fluß liegt Afghanistan


14.05.2013   Ruhetag in Termiz

Wieder ein Tag mit strahlend blauem Himmel und Temperaturen im Schatten bis 36°C. Den Morgen verbrachten wir damit, das wirklich sehenswerte Archäologische Museum von Termiz anzusehen. Danach gingen wir durch einen Park und bestaunten die vielen antiquierten Spielgeräte und Karusselle, an denen sich die Kinder in Scharen vergnügten. Dann begann die lange Suche nach einem Internetzugang, um unsere Mails versenden zu können. Aber wir blieben zunächst erfolglos. Schließlich schickte man uns auf Nachfragen in die Zentrale von Ucell, wo wir ein Modem erwarben und nun, so hoffen wir wenigstens, einen Internetzugang für die nächste Zeit haben. Gute 2 Stunden verbrachten wir dort, bis alles unterzeichnet war. Reisepässe, Visa und Hotelreservierungen wurden kopiert, wir wurden mit ca. 18,-- € zur Kasse gebeten und dann wurde alles noch auf unserem Notebook installiert. Danach verschickten wir auch gleich noch unsere Mails und wir hoffen, dass sie alle angekommen sind. Den restlichen heißen Nachmittag verbrachten wir noch in unserem kühlen Zimmer, richteten unsere Räder, denn in den nächsten 3 Tagen soll es zur tadschikischen Grenze weiter gehen. Zum Abendessen gab es Mantys und 3Halbe Bier, wofür wir umgerechnet 3,-- € incl. Trinkgeld bezahlten.


Archäologisches Museum in Termiz



Marktfrauen verkaufen Käse


15.05.2013   Termiz – Qumqorghan  83,5 km und 164 Hm

Schon kurz vor 7 Uhr starteten wir, um der größten Tageshitze auf der Straße zu entgehen. Auf der gesamten Strecke hatten wir leichten Gegenwind, was uns nicht weiter störte, da wir ja keine lange Distanz vor uns hatten und keine Steigungen zu überwinden waren. Zur Mittagszeit kehrten wir in einer schattigen Gaststätte ein, deren Betreiber 2 Jahre als Soldat in Brandenburg war. Von dort waren es nur noch 15Kilometer bis Qumqorghan, wo wir in einem ganz neuen Hotel unterkamen. Das Hotel ist sehr sauber und mit Dusche und Flachbildschirm ausgestattet aber die Toilette befindet sich ca. 50 m außerhalb des Hotels. Das verstehe wer will.  Die Straßen boten das übliche Geholpere und das Thermometer stieg zur Mittagszeit bis auf 39°C an. 


Harte und staubige Feldarbeit bei mehr als 35°C


16.05.2013   Qumqorghan – Denov   114,8 km und 311 Hm

Ein kräftiger Gegenwind und Straßenverhältnisse wie bisher ließen uns  nur schwer vorwärts kommen.  Wir hatten zwar nur mit ca. 65 km gerechnet aber es kam wieder einmal anders als geplant. Als wir nach 64 Kilometern in Denov ankamen fanden wir auch schnell das einzige Hotel, das der Reiseführer empfahl. Als wir aber den Preis pro Übernachtung hörten waren wir nicht bereit, diesen zu zahlen. So entschlossen wir, nach Shargun weiter zu fahren, denn laut Auskunft gab es dort ebenfalls ein Hotel. So fuhren wir die verbleibenden 27 km in der Mittagshitze (35°C im Schatten) und freuten uns, in einem einfachen aber netten Hotel unter zu kommen. Dort wollten wir auch den morgigen Tag verbringen, da wir ja erst am 18.5. nach Tadschikistan einreisen können. Um 17 Uhr erfuhren wir dann, dass das Hotel keine Registrierung  durchführen kann und wir mussten wieder zurück nach Denav  ins teure Hotel Eurasia, das registrierte Übernachtungen anbietet. Ein Teil unseres Gepäcks konnten wir im Hotel in Shargun hinterlassen, das wir morgen wieder ansteuern werden. Zum Glück gab es aber auch erfreuliche Geschichten unterwegs. Als wir beim Mittagessen waren wurde unsere Zeche von einem freundlichen Usbeken übernommen und einige Zeit später bekamen wir bei einer Rast Brot und Süßigkeiten geschenkt. Wie so oft ging auch dieser Tag glücklich zu Ende und wir sind gespannt, was uns in den nächsten Tagen erwartet. Landschaftlich wird es wieder interessanter, denn die hohen Berge, die uns begleiten, sind noch mit viel Schnee überzogen. 

 


See auf dem Weiterweg  nach Denav

 


Sanddünen begleiten uns über viele Kilometer


Übersichtliches Sortiment im Minimarkt


17.05.2013   Denov – Shorgun  28,3 km und 130 Hm

Nach einem kargen Frühstück im Hotel suchten wir nach einer Bank, denn unsere Som waren zu Ende. Nach längerem Suchen wurden wir fündig aber der freundliche Bankbeamte gab uns zu verstehen, dass ein Geldwechsel in der Bank nicht möglich sei. Eine andere Bank am Ort gab es nicht. Wir wollten ja nur 20,-- € umwechseln. Nun begann ein langwieriger Telefonmarathon. Schließlich fand sich nach 40 Minuten jemand, der mit dem Auto bei der Bank vorfuhr, uns 60.000 Som überreichte, die 20,-- € einschob, und sich wieder davon machte. Danach konnten wir die Strecke nach Shorgun, wieder bei kräftigem Gegenwind und Temperaturen wie an den Vortagen, in Angriff nehmen und kamen um 11 Uhr an. Dann wurden die Räder, die total eingestaubt waren, gepflegt und geölt und die Taschen wurden nach dem Durcheinander vom Vortag neu gepackt. Den restlichen Tag verbrachten wir mit Ausruhen, Essen und viel Trinken.



Zwiebelernte


Wasserversorgung


Weiße Berge grüßen im Hintergrund

 

18.05.2013   Shorgun – Dushanbe  86,1 km und 537 Hm

Schon vor 6 Uhr saßen wir auf unseren Rädern. Wieder ohne Frühstück, dafür mit Gegenwind. Um 7 Uhr erreichten wir nach 16 km die Grenze. An der usbekischen Grenze mussten wir zunächst warten, da schon einige Leute vor uns waren. Als ein Grenzbeamter auf uns aufmerksam wurde, gab er uns die Ausreisedeklaration auf russisch zum Ausfüllen. Auf Nachfrage erhielten wir diese dann in englischer Sprache und füllten alles schön aus. Dann wurden wir vor allen anderen Wartenden  in einen Raum gerufen, in dem alle Angaben überprüft wurden. Dann mussten wir unsere Taschen, die außerhalb des Gebäudes an unseren Rädern hingen, holen und deren Inhalt wurde stichprobenartig untersucht. Schließlich wurden die Taschen an einem Scanner durchleuchtet und zuletzt mussten wir noch die Räder zur Begutachtung durch den Raum schieben, bevor wir die erste Station hinter uns gebracht hatten. Dann ging es ein Gebäude weiter, aus dem uns der nächste Beamte herbei rief und wieder wurden Pässe und Visa kopiert. Im dritten Gebäude dann erhielten wir noch den Ausreisestempel und nach knapp 1 ½ Stunden konnten wir Usbekistan nach 1.344 Kilometern und 4.180 Höhenmetern verlassen. Von all unseren gesammelten Registrierungen nahm keiner Notiz. Aber das weiß man vorher nicht und bei Nichteinhaltung der Registrierungspflicht drohen hohe Geldstrafen.
Dann folgte die tadschikische Grenze. Hier wurden wir zunächst freundlich begrüßt . Die Einreiseformalitäten waren bald erledigt und nach 20 Minuten hatten wir den Einreisestempel auf unseren Visa. Wir waren glücklich, dass alles doch recht zügig verlaufen war. Wir wechselten noch Geld auf der Straße und dann konnten wir unsere Fahrt fortsetzen. Leider begann direkt hinter der Grenze der Neubau der Straße, der sich bis nach Dushanbe hinzog. Der Zustand wechselte von übelster Schotterpiste auf Wellblechpiste und manchmal war sogar noch etwas löchriger Asphalt zu sehen. Mit maximal 10 Kilometern pro Stunde kämpften wir uns durch die mittägliche Hitze (bis 38°C) und wurden vollkommen eingestaubt. Immer wieder kam ein Lastwagen vorbei, der die Piste mit Wasser bespritzte was, um dem Staub zu begegnen, was für uns bedeutete, dass wir dann mit Dreck bespritzt wurden. Die Fahrweise der Einheimischen war auf diesem Streckenabschnitt unvorstellbar. Mit Höchstgeschwindigkeit rasten sie links und rechts an uns vorbei, überholten, obwohl sie uns sahen und wir mussten immer wieder ausweichen, um nicht überfahren zu werden. Der Verkehr war außerdem so heftig, dass wir uns zeitweise im dichten Staub kaum mehr orientieren konnten. Ein Sturz von Frieda, die einem dieser Raser ausweichen musste, verlief zum Glück glimpflich. So erreichten wir recht abgekämpft nach 11 Stunden, die wir insgesamt benötigten, das Hotel Mercury in Dushanbe, der Hauptstadt Tadschikistans. Das Hotel wurde uns von einem Einheimischen empfohlen. Es ist leider nicht ganz leicht zu finden aber ein wahres Kleinod. Freundlich wurden wir aufgenommen und finden für die nächsten beiden Nächte Unterkunft.


Unterwegs zur Grenze um 6 Uhr morgens


50 Kilometer lange Baustelle


Schlimmer geht’s fast nimmer


Wir verzichten aufs Essen und schlucken Staub


Dushanbe ist erreicht


Ob wir unsere Füße wohl wieder sauber bekommen?

 

19.05.2013   Ruhetag in Dushanbe

Erstmals auf unserer Reise bekamen wir ein wirklich gutes Frühstück. Gut gestärkt machten dann auf, um uns für die nächsten Tage zu rüsten. Trotz intensiver Suche konnten wir keinen geeigneten Kocher finden. Als nächstes ging es zu einem Telefonanbieter, bei dem wir uns eine neue Sim-Karte für unser Handy besorgten und für unser Notebook ein neues Modem. Wir tauschten Geld und kauften dann noch verschiedene Lebensmittel für die nächsten Tage. Wäsche musste gewaschen werden und dann besichtigten wir noch einige Sehenswürdigkeiten in die Stadt. Ab morgen wird es dann ernst, denn nun geht es in die Berge. Ihr seht, auch an einem Ruhetag gibt es meist eine Menge zu erledigen.                       


Im Regierunsviertel


Die Große Moschee von Dushanbe


Hotel Mercury

 

20.05.2013   Dushanbe – 2 km nach Shar-Shar-Tunnel  73,8 km und 1373 Hm

Stressige Ausfahrt aus Dushanbe im morgendlichen Berufsverkehr. Auf guter Straße ging es bis Vahdat (800 m hoch) und von dort ging es weiter zum Beginn des Passes. Bis ca. 5 km vor der Passhöhe auf 1589 m war die Straße o.k. Den Rest bis zum Pass mussten wir vielfach Schieben. Auf der Passhöhe deckten wir uns wieder mit 6 Liter Getränken ein. Nach der Passhöhe ging es zunächst auf schlechtem Belag bergab bis zu einer Großbaustelle. Hier wird ein Tunnel gebaut und ab hier war der Belag traumhaft, so dass wir schnell unten im Tal Norak (670 m) erreichten. Bei einer Einkehr  erhielten wir selbstgemachten Aprikosensaft, dazu verschiedene Nüsse, Tomaten und Gurken. Wir kauften noch Brot ein und setzten unsere Fahrt mit dem Aufstieg zum nächsten Pass fort. Die Hitze (38°C im Schatten) machte sich bei dem mühsamen Aufstieg bemerkbar und wir mussten mehrere Trinkpausen einlegen.  3 Kilometer vor dem Tunnel erfolgte ein dauernder Wechsel zwischen feinstem Belag und Schotterpiste. Der Tunnel war in bestem Zustand doch danach wieder das Wechselspiel. Von nun an waren wir auf der Suche nach einem Platz, an dem wir Zelten konnten und wurden schon bald fündig. Wir sahen ein offenes Tor und schoben unsere Räder etwa 100 m weit auf einem Feldweg nach oben. Dort kam uns der Grundstücksbesitzer entgegen und wir fragten, ob wir hier zelten könnten. Er bejahte dies und schloss das Tor ab, so dass kein anderer auf das Gelände konnte. Von unserem Zeltplatz auf 1223 m Höhe hatten wir einen herrlichen Blick auf den Nurek-Stausee und verbrachten eine ruhige Nacht bei 23°C.


Es geht zum 1. Pass auf 1589 m


Propaganda


Viehherden auf der Passstraße zum 2. Pass


Ausblick von unserem Zeltplatz auf den Nureksee

 

21.05.2013   Zeltplatz 1223 m und 2 km hinter dem Tunnel – Kulyab 115,9 km und 747 Hm      

Bei starker Bewölkung fuhren wir zunächst zur Passhöhe auf 1352 m. Kurz darauf bremste uns ein Gewitter mit starkem Regen. Wir fanden Unterschlupf in einer Bushaltestelle. Danach  ging es auf super Asphalt  mit einigen Gegenanstiegen hinunter Richtung Kulyab auf 570 m. Leider hatten wir auf den ersten 80 km teilweise heftigen Gegenwind, der uns das Leben unnötig erschwerte. Wieder hatten wir gut 35°C und Getränkeverkauf an der Straße bzw. in den wenigen Orten war nur sehr spärlich. Dafür wurden wir von Imkern eingeladen und sie servierten uns in ihrem Camp Nudelsuppe und Salat mit eisgekühltem und mit Honig versüßtem Wasser und dazu gab es Brot. Am Nachmittag erreichten wir dann Kuylab und quartierten uns im einzigen Hotel am Ort ein.


Fleischverkauf am Straßenrand


Einladung bei den Imkern zum Mittagessen


Festungsanlage ca. 20 km vor Kulyab


Monument in Kulyab

 

22.05.2013   Kuylab -  einige Kilometer hinter Shuroabad auf 1623 m Höhe - 40 km und 1331 Hm

Schon um 6:30 Uhr saßen wir wieder auf unseren Rädern und nahmen den nächsten Pass mit 1982 m Höhe in Angriff. Es war sehr dunstig, so dass man die schöne Landschaft gar nicht so richtig wahrnehmen konnte. Auch hier ging es auf einigen Strecken bis zu 12% steil nach oben. Bis auf 1800 m Höhe, bei einer gefassten Quelle wurde der Belag immer schlechter, bis schließlich nur noch Schotter übrig blieb. Von der Quelle aus, an der wir wieder Wasser fassten, war es nicht mehr weit bis zur Passhöhe. Danach ging es durch grobes Gestein, Sand und Geröll äußerst vorsichtig bergab. Hier trafen wir 3 junge Bayernfans, die uns einen Bayernwimpel schenkten. Wir redeten eine Weile miteinander bevor sie die Fahrt mit ihrem Bus fortsetzten. Doch schon kurze Zeit später holten wir sie vor Sheroabad an der Kontrollstelle wieder ein. Hier wurden die Pässe überprüft und es muss ein gültiges Permit enthalten sein, damit man diese Region bereisen darf. Bei uns und auch den Münchnern ging alles klar. Wir wurden in einem Buch registriert und konnten dann unsere Fahrt fortsetzten. In einem kleinen Dorf konnten wir noch einkehren und bekamen etwas Warmes zu essen, bevor wir zu einer imposanten Schlucht gelangten, in der wir auf 1623 m Höhe einen Platz für unser Zelt fanden. 


Es folgt der 3. Pass auf 1982 m


3 Bayernfans mit dem Bus unterwegs


Oft werden wir eingestaubt und eingerußt


Unser verstecktes Zeltplätzchen

 

23.05.2013   Weiter bis etwa 12 km vor Zigar  56,6 km und 776 Hm

Der Tag begann mit der Abfahrt auf übelstem Schotter durch eine imposante Schlucht. Steil ging es bergab und immer wieder blieben wir stehen, um die gewaltige Landschaft zu bestaunen. So erreichten wir nach langer Abfahrt den Fluss Panj, der die Grenze zu Afghanistan  bildet. Von hier an geht es nun immer dem Fluss entlang und wir können am anderen Flussufer die Dörfer und kühnen Pfade, die sich am Flussufer entlang ziehen, bewundern. Ein stetes Auf und Ab durch eine wiederum gewaltige Schlucht und auf überwiegend Schotter und tiefem Sand erschweren das Vorwärtskommen. Lediglich auf einer Länge von 10 km war guter Asphalt anzutreffen. Wir sind glücklich, als wir nach knapp 6 ½ Std. Fahrzeit bei einer Familie neben ihrem Haus zelten dürfen, denn wir sind völlig ausgelaugt. Es war wieder über 35°C warm und die Sonne brennt unbarmherzig nieder.


Auf liederlichen Straßen in großartiger Landschaft


Afghanischer Saumpfad


Auch am Panj entlang gibt es viele Höhenmeter

 

24.05.2013  Weiter nach Kalaikhum 77,8 km und 821 Hm

Wir wollten sehr früh los, um es bis Kalaikhum zu schaffen. Doch um 4:30 Uhr begann es zu regnen und erst um 7:30 Uhr hörte es wieder auf. Nass bauten wir das Zelt ab und waren gerade zur Weiterfahrt bereit, als uns der Grundstücksbesitzer und seine Frau zum Frühstück einluden. Wir nahmen dankend an und kamen schließlich um 8:30 Uhr los. Die 12 Kilometer bis Zigar, wo sich die nächste Kontrollstelle befand, an der wir wieder in einem Buch registriert wurden, waren wieder äußerst schwierig zu befahren. Dann jedoch ging es 38 km lang auf bestem Asphalt weiter. Dafür blies uns ein kräftiger Wind entgegen, so dass wir auch hier nur mühsam vorwärts kamen. Vor den verbleibenden 27 Kilometern wurden wir schon von anderen Radreisenden in Berichten gewarnt, aber es war halb so schlimm und wer es bis hierher geschafft hat, der bewältigt auch dieses Stück ohne große Probleme. Zum Glück war es heute von den Temperaturen mit max. 27°C  recht angenehm und durch den vorangegangenen Regen nicht so staubig. Landschaftlich ist die Strecke großartig und gewährt ununterbrochen freie Sicht über den Panj nach Afghanistan. Von dort grüßen und rufen immer wieder Leute zu uns herüber und wir winken zurück. Entlang des Flusses Panj erstrecken sich immer wieder kleine Oasen sowohl auf der tadschikischen als auch auf der afghanischen Seite.  In Kalaikhum, das wir gegen 18 Uhr erreichten, fanden wir nach längerer Suche Unterkunft für 2 Nächte in einem Homestay mit Frühstück und Abendessen zum Preis von 16,-- € pro Tag für uns Beide. Wir brauchen dringend diesen Ruhetag, denn die letzten Tage seit Dushanbe waren extrem anstrengend und auch sonst muss wieder einiges erledigt werden.

 

25.05.2013   Ruhetag in Kalaikhum

Ausschlafen, Tagesberichte schreiben, Wäsche waschen, Einkaufen, E-Mails versenden und den weiteren Verlauf der Reise vorbereiten sind Aufgaben des heutigen Tages, bevor wir die nächsten 240 Kilometer bis Khorog weiter entlang der Grenze zu Afghanistan in Angriff nehmen. Auch das bisher gute Wetter macht heute Ruhetag und schon in der Nacht gingen heftige Gewitter nieder und es regnet den ganzen Vormittag über. Wir sind froh, dass wir eine feste Unterkunft haben und heute nicht weiter müssen und hoffen gleichzeitig, dass das Wetter ab morgen wieder gut ist. Auch die Temperatur ist auf kühle 20°C abgesunken.     


Einladung zum Frühstück mit frisch gebackenem Brot


Eseltransport auf der afghanischen Seite


Dorf in Afghanistan


Großartige Kulisse am Panj entlang


Grüne Oasen am Panj


Landschaftlich tolle aber auch anspruchsvolle Strecke


Kinder haben ihre Freude an uns

 

26.05.2013   Ruhetag in Kalaikhum

Starke Bewölkung mit viel Regen und stürmischem Wind ließ uns nochmals in Kalaikhum bleiben. Straßen waren teilweise wegen Muren und abgegangenem Geröll gesperrt. Zwar schaute am späten Nachmittag auch mal die Sonne durch doch schon wenig später begann es wieder zu regnen. Die Straßen waren verschlammt und verdreckt und für den nächsten Tag war wieder besseres Wetter angesagt. Innerhalb von 2 Tagen fiel die Tagestemperatur von 38°C auf unter 18°C. Norbert hat gesundheitliche Probleme und kann seit gestern kaum und seit heute gar kein Wasser mehr lassen.


Kaleikhum


Behandlungsraum im Krankenhaus von Kalaikhum

 

27.05.2013   Fahrt nach Khorog

Nach einer weiteren schlaflosen und schlimmen Nacht für Norbert gingen wir gleich um 8 Uhr morgens ins Krankenhaus von Kalaikhum. Sofort wurde nach ihm geschaut und mittels eines Katheters die Blase entleert. Die Behandlung erfolgte völlig kostenfrei durch die Agha-Khan Stiftung. Es geht ihm nun etwas besser aber an Radfahren ist zunächst nicht zu denken. Der Arzt riet dazu, bei Verschlechterung einen Urologen in Dushanbe oder Khorog aufzusuchen. So beschlossen wir kurzfristig, unsere Sachen zu packen und die Räder für einen Transport mit einem Allradbetriebenen Taxi vorzubereiten. Die 240 km lange Fahrt nach Khorog durch eine imposante Schlucht des Panj war großartig aber auch anstrengend. Über Asphalt und Asphaltreste, Geröll-, Sand- und Schotterpiste dauerte die Reise über 10 Stunden und trotz angemessenem Tempo schüttelte es uns kräftig durch. Ein nicht unerheblicher Teil der Strecke war extrem steinschlaggefährdet. Im Hotel Lal Inn, im Zentrum von Khorog, fanden wir ein schönes Plätzchen zur Erholung, das Norbert dringend brauchte.


Es geht mit dem Auto weiter nach Khorog


Eindrücke von der Fahrt nach Khorog

 

28.05.2013  

Für Norbert folgt die nächste schlimme Nacht. Diesmal wurde er von heftigem Durchfall und Magenkrämpfen geplagt. Fast den ganzen Tag verbrachten wir damit, alle Banken abzuklappern um an Geld zu kommen. Unsere EC + Kreditkarte funktioniert nicht. Kein Automat spuckt Geld aus. Unter Mithilfe von Hotelgästen, der Polizei und dem Informationszentrum kamen wir zur einzigen Möglichkeit, Geld von daheim an eine internationale Bank zu schicken. Mit Ausweis und der Codenummer können wir dann Geld tanken.

 

29.05.2013

Durch die Regenfälle an den Vortagen funktionierte kein Internet und auch das Handy ging nur zeitweise. So erfuhren wir nachts  kurz vor 24 Uhr, dass der Geldtransfer klappt und Christian gab uns die dafür nötigen Daten durch. Norbert erlebte die 4. schlechte Nacht in Folge und gleich um 8 Uhr ging es ins Hospital, wo wir eine Einweisung zum Urologen im Krankenhaus erhielten. Überall wurden wir äußerst freundlich behandelt und überall wurde uns weiter geholfen. Schließlich landeten wir beim Urologen, der mir einen Dauerkatheter einsetzte, mit dem ich nun die nächsten Tage verbringen werde. Die Radtour ist hiermit also beendet und wir planen nun, die weitere Reise mit dem Auto bis Osh in Kirgistan fortzusetzen und von dort aus den Heimflug anzutreten.


Ärztin im Hospital von Khorog


Khorog


Markt in Khorog


Beim Bäcker

 

30.05.2013   Fahrt von Khorog nach Murgab

Nach einem guten Frühstück wurden das Gepäck und unsere Fahrräder auf das Dach eines Allradfahrzeugs verfrachtet. Zusammen mit 3 weiteren Mitfahrern und einem englisch sprechenden Fahrer ging es dann auf dem wunderschönen Pamir Highway zunächst nach Yelondy. Hier wurde eine Rast eingelegt und es bestand die Möglichkeit zu einem Bad in einem schwefelhaltigen Becken, das von heißen Quellen gespeist wurde. Weiter ging es über 3 Pässe, die alle über 4000 m hoch waren. Dazwischen befanden sich riesige Hochplateaus, die nahezu eben waren. Das Wetter war traumhaft schön mit für diese Höhe angenehmen Temperaturen. Der überwiegende Teil der Strecke war gut befahrbar und es gab außer einigen chinesischen Tracks kaum Verkehr. Die vielen 60 Tonner aus China machen den Straßen, die dafür nicht ausgelegt sind, doch erheblich zu schaffen.  In Alichur  wurde noch eine Mittagsrast eingelegt, bevor es zu unserem Tagesziel Murgab weiter ging. Im Guesthouse Ibragim kamen wir unter. Am Abend wurde es in der Höhe von 3880 m doch empfindlich kalt.


Fahrt auf dem Pamir Highway


Unsere Reisegruppe


Tankstelle in Tadschikistan


Pamir Highway


2 Pamiri

 

31.05.2013

Durch Vermittlung unseres gestrigen Fahrers haben wir für die nächsten 2 Tage einen neuen Fahrer samt Fahrzeug. Für Heute war nur eine relativ kurze Strecke bis zum herrlichen Karakulsee auf knapp 4000 m Höhe vorgesehen. Bis dahin musste aber noch der höchste Pass des Pamir Highways, der  Akbaytal-Pass 4655 m, überwunden werden.  Nur die letzten 150 Höhenmeter ging es steil und auf schlechterem Untergrund bergauf. Ansonsten zog sich die Anfahrt über viele Kilometer mit nur leichter Steigung aufwärts und führte immer am Grenzzaun zu China entlang. Die Abfahrt auf der anderen Seite war bis auf 4200 m hinunter recht steil mit vielen Waschbrettstellen. Auf meist ordentlichem Asphalt ging es dann weiter hinunter zum meist noch zugefrorenen Karakulsee.Von hier aus hat man eine herrliche Sicht auf den über dem See herausragenden Pik Lenin 7134 m und entgegengesetzt auf den Mustang Ata mit knapp 7500 m Höhe in China. Im Homestay Sadat in Karakul wurden wir freundlich aufgenommen. Die Menschen hier oben leben ohne fließendes Wasser und teilweise ohne Strom. Sie führen ein sehr entbehrungsreiches und hartes Dasein.


Karakulsee mit Blick zum Pik Lenin 7134 m


Transport von Wasser und Kind


Blick zum knapp 7500 m hohen Mustang Ata


Gastgeberfamilie in Karakul

 

01.06.2013   Karakul – Osh

Nach einem guten Frühstück mit Milchreis, Brot, Butter und Marmelade setzten wir unsere Fahrt bei erneut wolkenlosem Himmel und herrlicher Fernsicht fort. Zunächst stand der nächste über 4000 m hohe Pass an, bevor wir zur tadschikischen Grenze gelangten. Diese befindet sich an der Auffahrt zum nächsten Pass. Die Abfertigung zog sich lange hin, obwohl fast nichts los war. Dann ging es über viele Kilometer auf übelster Piste durchs Niemandsland auf die nächste Passhöhe und auch die steile Abfahrt bis zur Grenzstation war nur schwer zu befahren. Die Grenzabfertigung nach Kirgistan dauerte etwa eine halbe Stunde, bevor es weiter bergab ging. Die Landschaft veränderte sich und es wurde immer grüner. Auch hier sahen wir, wie schon in den vergangenen Tagen, viele Murmeltiere, die sich kaum stören ließen. In Sary Tash legten wir eine Mittagsrast ein und dann ging es auf gutem Asphalt zum nächsten Pass hinauf. Es folgte eine endlos lange Abfahrt mit wunderschönen Ausblicken auf eine sich ständig verändernde Landschaft. Hinter Gulcho ging es hinauf zum letzten Pass des Tages. An der Passhöhe legten wir erneut eine Pause ein und konnten das Aufstellen zahlreicher Jurten beobachten. Hier entstehen im Sommer ganze Jurtendörfer. In Kirgistan sitzen die Hirten auf Pferden und treiben die oft großen Herden, die aus Yaks, Rindern, Schafen und Ziegen bestehen hinauf auf die Bergweiden. Je tiefer wir kamen desto wärmer wurde es und nach langer Fahrt erreichten wir schließlich Osh, wo wir uns im Hotel Peking einquartierten. Erstmals seit einigen Tagen hatten wir wieder eine funktionierende Dusche mit warmem Wasser und auch eine Toilette war im Zimmer.


Grenzzaun zu China


Wir sind in Kirgistan


Jurten und Pferde in der grünen Bergwelt Kirgistans


Osh ist erreicht 

 

02.06.2013   Osh

Nach einem mageren Frühstück machten wir uns auf den Weg zu Salomos Berg. König Salomo, im Koran als Prophet verehrt, hatte an diesem Ort geruht. Seither entwickelte sich der Berg zu einem bedeutenden islamischen Wallfahrtsort. Leider war es stark bewölkt, was die Aussicht sehr einschränkte. Auf der Südseite des Berges besuchten wir das Historisch-Kulturelle-Museum, das die Sowjets in die Felsen sprengten. Am Nachmittag verbrachten wir viel Zeit bei einem Internetanbieter, da wir ganz dringend Nachricht von unserer Fluggesellschaft wegen unserer Fahrräder erwarten. Mit einem neuen Modem klappte es nach langer Wartezeit.
Osh ist ein Schmelztiegel der verschiedenen Kulturen. Spannungen sind hier jederzeit möglich. Die Frauen sind nicht mehr so traditionell gekleidet. Der Basar besteht überwiegend aus Containern, die teilweise auch übereinander stehen. Hauptsächlich werden Billigprodukte und Imitationen aus China verkauft und natürlich Gemüse, Obst und Lebensmittel. Der Jayma-Basar gehört zu den buntesten in ganz Zentralasien.


Salomos Berg in Osh


Aufstieg zu Salomos Berg


Moschee unter Salomos Berg


Auf dem Jayma-Basar


Container auf dem Jayma-Basar

 

03.06.2013   Osh

Wieder war es am Morgen stark bewölkt und es regnete auch etwas. Wir unternahmen einen Spaziergang durch die Stadt, die aber keine interessanten Sehenswürdigkeiten bot. Hier war es überall sehr schmutzig und staubig. Auf dem Basar gab es noch einige nette Schnappschüsse.
Wieder einmal war Packen angesagt. Wir packten unsere Taschen in Säcke und deponierten sie in einem Abstellraum des Hotels neben unseren Fahrrädern. Dann ging es nochmals durch den netten Park, wo sich Kinder und Erwachsenen vergnügten. Beim Mittagessen in einem Restaurant wurden wir lange Zeit ignoriert. Erst als sich ein Einheimischer für uns einsetzte, bekamen wir unser Essen. Immer wieder schauten wir in unserem Notebook nach, ob eine Nachricht wegen der Mitnahme unserer Fahrräder eingegangen war aber nichts kam.  Um 23:00 Uhr bestellten wir ein Taxi, das uns und unser gesamtes Gepäck zum Flughafen transportierte. Dort schauten wir nochmals nach einer Nachricht in unserem Notebook nach und um 23:58 Uhr ging eine Mail ein die bestätigte, dass unsere Räder angemeldet seien und alles andere Sache der Fluggesellschaft sei.


Zulieferer


Fleisch- und Geflügelstand


Marktbesucher


Outdoorladen

 

04.06.2013   Heimflug

Der Flughafen in Osh gleicht eher der Wartehalle eines kleinen Bahnhofes. Es gibt einige Sitzgelegenheiten aber wir vermissten eine Anzeigetafel, die Auskunft über Ankunft bzw. Abflug von Flügen gibt. Die seltenen Ansagen erfolgten ausschließlich auf Russisch und so war es nicht ganz einfach, Informationen über unseren Flug und die Abflughalle zu erhalten. Aber auch dies gelang und als unser Flug aufgerufen wurde machten wir uns mit unseren Rädern zum Abfertigungsschalter auf.  Wir machten unsere Räder transportfertig und stellten uns in die Warteschlange. Aber wir wurden gleich gestoppt, als man unsere Räder sah und es wurde uns vermittelt, dass Fahrräder nicht mitgenommen werden. Wir verwiesen auf unsere elektronischen Flugtickets und ignorierten die Anweisungen des Personals, bis wir zur Abfertigung  vorgedrungen waren. Dort sprach zu unserem Glück die maßgebende Beamtin sogar etwas deutsch und wir erklärten ihr, dass unsere Räder angemeldet sind und nach vielen Anrufen und mehr als 30 minütigem Hin und Her wurden wir abgefertigt und erhielten die Zusage, dass nach Bezahlung von 180,-- € für den Transport unserer Räder, auch diese mitgenommen würden. Die notwendigen Unterlagen würden wir später erhalten. So warteten wir bis die letzten Fluggäste 10 Minuten vor Abflug abgefertigt waren und es tat sich immer noch nichts. Ichsprach nochmals vor und schließlich hatte ich die nötigen Unterlagen und konnte mich vergewissern, dass unsere Räder als letzte Gepäckstücke zum Flugzeug gebracht wurden. So blieb es also spannend bis zum letzten Augenblick. Der Abflug um 4:00 Uhr erfolgte pünktlich und nach 5:30 Stunden erfolgte die Zwischenlandung in Istanbul. Nach 1:30 stündigem Aufenthalt ging es in weiteren 2:30 Stunden weiter nach Stuttgart, wo wir nach insgesamt 10 Stunden ankamen. Freudig überrascht waren wir, als uns dort Christian und Timo empfingen und wir mit dem Auto abgeholt wurden.
So nahm unsere Radtour, die lange Zeit wie geplant verlaufen war und dann aus gesundheitlichen Gründen leider beendet werden musste, doch noch ein glückliches Ende.    


Heimflug


Atatürk-Flughafen in Istanbul


Glückliche Ankunft in Stuttgart